Übersichtskarte

23 Stunden Reise nach Cartagena

Mittwoch, 21.12.2011

Berlinas

So ging es gegen halb 3 Nachmittags von Bus-Terminal in Bogotá mit einem „Berlinas-Bus“ durch das Andengebirge über Flachland zum ersten Ziel in Karibik nach Cartagena. Die Reise gestaltete sich ziemlich anstrengend bei klirrender Kälte der Klimaanlage im Bus. Hätten wir doch nur den gut gemeinten Rat von Ana angenommen, eine warme Decke und warme Sachen in Handgepäck mitzunehmen. Dann hätten wir eine warme, gemütliche Zeit und vor allem Nacht in diesem Bus verbracht. Aber wer glaubt schon einer Kolumbianerin, die an der Karibikküste aufgewachsen ist und meint, irgendetwas wäre kalt? So waren wir fast komplett 23 Stunden im Bus mit unserem dünnen T-Shirts und Sommerhosen wach. Weil wir eh nicht abends schlafen konnten, unterhielten wir uns in der Fahrt mit zwei Professoren, die im Gebiet der Korruption in Kolumbien forschen. Zumindest Philipp konnte sich am nächsten Morgen an der Fensterscheibe wärmen, als die Sonne aufging. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir genau 2 Stopps in den 23 Stunden gemacht. In der Zeit konnten wir die Bewohner dort fragen, wo wir gerade waren und das mit der Karte vergleichen.

 

Nach einem kurzen Halt in Barranquilla waren wir einige Stunden später endlich da …und auch wieder nicht. Der Busterminal war mehr als weit entfernt von der eigentlichen Stadt. Nach einem kurzen Anruf bei Jeimy‘s Freundin bekamen wir die Adresse des Hotels, dass sie für uns reserviert hatte. Danach standen wir vor der Wahl, ob wir mindestens 1 Stunde irgendwie mit dem Bus fahren, bis wir eventuell dort ankommen, wo wir hin wollten, oder ein Taxi nehmen. Philippw ollte das Taxi, und zwar das erst Beste.

Der Kampfstift

In der Fahrt hatte ich wirklich ein ganz schlechtes Gefühl und davor haben mich immer alle in Kolumbien gewarnt. In Bogotá gab es Taxometer, bei diesem nicht. Außerdem ging die Fahrt über eine halbe Stunde durch die Barrios und schlechteren Viertel der Stadt. Man hatte das Gefühl, er fährt überall hin, nur nicht dahin, wo wir wollten. Ich glaube Philipp hat teilweise auch die Orientierung verloren. Da der Taxifahrer auch noch so viele Fragen stellte, wo wir her kommen etc., mussten Vorkehrungen getroffen werden. Wir verriegelten unbemerkt die Türen und Philipp, der hinterm Taxifahrer saß, brachte sein Kampfstift in Reichweite. Außerdem telefonierten wir mit Ana beiläufig und sagten ihr, wo wir gerade sind. Vielleicht hat das geholfen oder das schlechte Gefühl war unbegründet, aber wir kamen heil in der Altstadt direkt vor dem Hotel an.

Der Plan steht

Montag, 19.12.2011

Philipp und ich sind uns endlich einig geworden, wo die 1 monatige Reise entlang gehen soll.

 

  Route

 

Am 20.12.2011 um 14:30 Uhr geht's los mit dem Bus in 23 Stunden nach Cartagena. Weihnachten in Baranquilla, Besuch bei Ana in Santa Marta, Silvester bei Diego in Bucaramanga, Medellin bei der Familie von Daniel, Abstecher in der Kaffeeregion bei Armenia, die Pazifiküste bei Buena Ventura anschauen, anschließend nach Cali und zwischen dem 15. und 20.01.2012 wieder zurück nach Bogotá.

 

Tschüss Universidad Nacional

Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!

Das Reich der Familie Sanchez

Sonntag, 18.12.2011

Außerhalb von Bogotá liegt im Süden das Reich der Familie Sanchez.

 

Ein paar Bilder und Videos (und alles in HD):

 

 

 

Das Leben ist kein Ponyhof

Montag, 03.10.2011

Englischunterricht

Ich habe mich dazu entschlossen, eine Freundin aus Bogotá zu ihrem Englischkurs zu begleiten. Nicht so spannend, aber die Erkenntnis, die ich danach getroffen habe, umso mehr. Was mich wirklich hier wundert ist, dass in Bogotá wirklich viele Personen existieren, die Deutsch lernen wollen und lernen. Die beiden Englischlehrerinnen zum Beispiel. Beide haben mir unabhängig voneinander gebeichtet, dass Deutsch ihre Lieblingssprache ist. Viele Laborkollegen von mir besuchen den Deutschkurs an der Universidad Nacional. Vor allem ist der auch kostenlos und wird, zu meiner Verwunderung, unglaublich gut angenommen.

Ich finde das ziemlich erstaunlich. Russisch, Mandarin oder Französisch zum Beispiel, werden doch viel häufiger auf dem blauen Planeten gesprochen. Wer spricht denn schon Deutsch? Die Deutschen, Österreicher und die Schweizer. Das ist ein so kleiner Teil der Weltbevölkerung. Vielleicht hat sich die Deutsche Sprache wirklich noch als „Wissenschaftssprache“ gehalten, als der sie galt vor dem Untergang des Naziregime. Eine Wahrheit ist, die Kolumbianer mögen die Akustik der deutschen Sprache. Sowie wir die Spanische Sprache akustisch angenehm finden, mögen die Lateinamerikaner die deutliche Aussprache der Deutschen. Das Spanisch in Spanien ist anders als das Spanisch in Lateinamerika. So lispeln die Spanier ihre Wörter und fahren noch in „Kutschen (coche)“ durch die Welt, während die Lateinamerikaner darüber lachen, bereits mit Autos (carro) fahren und deutlich sprechen. Außerdem träumen viele hier davon in Deutschland für ein oder zwei Semester zu studieren. Vor allem wollen die Ingenieure nach Kassel, weil dort mindestens 3 Professoren (darunter auch Sonia) in der Vergangenheit promoviert haben. In den letzten 2 Wochen haben sich deshalb zwei weitere Ingenieursstudenten nach Kassel verabschiedet, die ich flüchtig im Labor kennen gelernt habe.

Glasmurmeln

Desweiteren habe ich mich dazu durchgerungen, mich mit Daniel auf die Suche nach Glaskügelchen in Bogotá zu machen. Durchmesser = 3 mm. Es ist einfach unglaublich! Mit dieser Aufgabe konnte ich mich einen ganzen Tag beschäftigen. Das Labor der Chemiker wollte mir keine herstellen und verschiedene Glasbläser in Bogotá auch nicht. Zu kompliziert. Nach einem ganzen Tag Suche in der Stadt musste ich mich zum Schluss mit roten Plastikkügelchen von Halsketten geschlagen geben, nachdem meine Halsader vor Pulsieren fast am Platzen war. Unterwegs ist das MP3 Player Display kaputt gegangen und funktioniert nur noch auf den letzten 3 von 15 cm. Sehr witzig. Wenn etwas in das Touch-Display eingeben werden soll, muss der Player ab sofort so lange gedreht werden, bis sich der entsprechende Button auf den 3 cm befindet.  Ein sehr erfolgreicher Tag.

 

Villeta

Und dann kam der Tag in Villeta (ausgesprochen Bijeta). Der Besuch in Villeta war eine spontane Entscheidung. Der ortansässige Freund von Estefania (Bedienung in Charlys Bar und Freundin) lud dazu ein. Der Plan bestand darin, die 7 Wasserfälle zu erklimmen und anschließend in einer Herberge mit Pool, Paintballplatz, Pferden, Vollyballplatz und vieles mehr, zu übernachten.

Der Tag war ein einziges Abenteuer. Auf der Hälfte der Strecke machte der Bus schlapp, bemerkbar durch Rauchschwaden, die irgendwo aus dem Inneren kamen.  Im nächsten Bus wurde der Busfahrer von der Polizei angehalten, weil er viel zu schnell unterwegs war. In Villeta nahm uns Juan mit kaltem Bier in Empfang. Nachdem der Tagesplan beschlossen war, ging es zum Grundstück von Juan, um zur „Stärkung“ von seinem kleinen Koka-Busch ein paar Blätter zu pflücken. Sehr lustig. Juan meinte, man müsse mit dem Busch reden und lieb streicheln, wie einen Freund. Und das hat er dann auch getan.

Auf den Hinweg hat jeder ein gefaltetes Kokablatt bekommen. Dauerhaft mit den Backenzähnen drauf gebissen, sollte es uns Kraft in den Beinen geben. Anbei sei angemerkt, dass der Koka in den Kokablättern nicht gefährlich ist. Gemischt mit verschiedensten Chemikalien macht es erst zu Kokain und gefährlich.

Der Weg zu den Wasserfällen war unglaublich. Im Prinzip die ganze Zeit ein ungesichertes Klettern im Urwald. Am zweiten Wasserfall waren sogar einige Jugendliche, die von den Klippen in die Bäche sprangen. Beeindruckend. Am 4. Wasserfall wurde halt gemacht (Juan, Estefania, Ana und ich). Estefania hielt uns ziemlich auf. Betrunken und tollpatschig. Zeit, um in der Hitze und Anstrengung ein Bad unterm Wasserfall zu nehmen. Das wäre ein Bild für die Götter gewesen, wenn die Fotos danach noch in unserem Besitz gewesen wären. Aber … :

Dann kamen zwei Leute, vermummt mit Tüchern und Machete bewaffnet, und machten sich an unseren Rucksäcken zu schaffen. Gleichzeitig machten sie uns klar, dass wir ruhig bleiben sollten. Anbei entdeckten die Anderen noch weitere 3 maskierte Personen weiter oben auf einer Anhöhe. Als die ungebeteten Gäste dann die Digitalkamera von Estefania aus dem Rucksack fischten, war es vorbei mit der Ruhe. Durch Alkohol und dem Geschehen völlig aufgelöst, stapfte sie aus dem Wasser in Richtung der Diebe mit den Worten „No, No“. Hinterher Juan und ich. Das Gefuchtel mit der Machete war auch nicht mehr beeindruckend. Wahrscheinlich wurde dies den Räubern etwas unangenehm. Damit haben sie anscheinend nicht gerechnet und ließen von den Rucksacken ab. Juan hat versucht noch erfolglos mit den Räubern zu verhandeln, zwecklos. So schnell sie gekommen waren, so schnell waren sie auch wieder in den Klippen verschwunden. Und so blieb die Differenz von 3 Handys, 2 Portemonnaies und einer Digitalkamera.

Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten und Estefania etwas getröstet war, beschlossen wir den Weg fortzusetzen. Also ging es weiter auf den glitschigen Klippen und Abhänge entlang, auf Aquädukten in schwindliger Höhe und im Urwlad. Zum Glück bin ich nur einmal auf einem Stein im Fluss abgerutscht und stand danach pitschnass im Wasser. Einen lieben Dank nochmal an Mutter Kokapflanze! Auf dem Plateau angekommen war es einfach traumhaft. Eine Herberge, kaltes Bier, ein riesen Pool und vieles mehr. Die Dämmerung brach auch schon herein und ich ließ mich noch auf einen Ritt durch die Gegend überreden. Ich glaube, das letzte Mal saß ich mit 10 Jahren auf einem Pferderücken. Deshalb musste mir Juan ersteimal erklären, wie man dieses Gefährt gezielt steuert und benutzt. Nach kurzer Einweisung ging es dann im Galopp und Trab in die Nacht durch Wald und Fluss. Zurück im Camp, hatten Estefania und Juan keine Lust mehr dort zu übernachten und wollten nach dem Bad im Pool auf der Hauptstraße zurück. Ein Wunder, dass ich noch lebe. Meine Laune war auf dem Weg echt auf dem niedrigsten Stand bisher in Kolumbien. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum wir nicht im Camp auf ein Taxi warten. 2 Stunden später in der Stadt und und kleineren Streitereien konnten wir endlich bei Juan schlafen gehen. Nächsten Morgen hatten wir die Nase voll und fuhren zurück nach Bogotá.

 

Deutsch Kochen

In meinem Apartment hat sich auch etwas getan. Oriet zieht aus. Er wollte unbedingt in Ecuador in einem bestimmt Assembler spielen. In der letzten Woche ging sein Traum überraschender Weise in Erfüllung. Während ich hier schreibe, ist er bereits gut dort angekommen. Ab Mittwoch bekomme ich einen neuen Mitbewohner aus Österreich.

Zum Abschied wurde Sabrinas „Heimwehküche Kochbuch“ eingeweiht und Wiener Gulasch mit Pasta für Oriet und seinem Besuch gemacht. Die Kolumbianer haben sich prompt in die Deutsche Küche verliebt. Das zweite Mal „deutsch“ gekocht wurde dann 3 Tage später, als ich extreme Probleme mit dem Magen hatte. Diesmal, auf Tipp von Anika, Hühnersuppe mit Suppennudeln, wie bei Mutti!

 Ansonsten ist mein Spanisch Kurs Level 1 zu Ende. Am Freitag hatte ich den schriftlichen Abschlusstest. Der lief so gut (nicht), dass ich abends mit ein paar Laborfreunden 5 oder 8 Bierchen trinken war und anschließend, wie auch immer, bei einer Wahlveranstaltung gelandet bin, in der es kostenlos für mich und den anderen Whisky, Bier und Gulasch in Teigtaschen gab. Grund dafür war, das die Mutter eines Freundes ein Parteifreund der Veranstalter war. Klasse! Morgen ist dann der mündliche Test.

Ansonsten ist mein Computernetzteil kaputt gegangen. Bestimmt, weil ich es immer hinter mir her schleife, wie Andere mit ihren Hunden spazieren gehen. Im Computerviertel der Stadt stehen überall Leute an den Straßen, die Listen mit sich führen. Auf den Listen stehen Computerspiele und –programme, die man sich für wenig Geld (und bestimmt legal) erwerben kann. Neben ein neues Netzteil hab ich mir auch gleich „LabView“ besorgt. Total Klasse! Normalerweise kostet das Program um die 1.500 EUR. Die Leute auf der Straßen wollten nur 10.000 Pesos (4 EUR) haben. Da muss man doch einfach zuschlagenZunge raus . Mal schauen, ob es funktioniert und ich mir dadurch ein bisschen Ärger im Labor erspare. Aber das alles, weiss nur der Wind ...

Monserate

Montag, 19.09.2011

Heute bin ich auf Monsserate gewesen. Ich werde einfach nicht viel schreiben und lasse die Bilder für sich sprechen.

Monserrate ist ein Berg und gerhört zu der Gebirgskette der "Amerikanischen Kordilleren" , das längste Faltengebirge der Welt (Alaska bis Feuerland). Monserrate ist 3.152 Meter hoch und überragt damit die Zugspitze, den höchsten Berg Deutschlands (2.962 Metern). Der Berg ist deshalb interessant, weil auf der Spitze die "weiße Kirche" steht, auf der regelmäßig Messen abgehalten werdent. Diesen Sonntag konnte ich sogar eine miterleben.

Bei einer Verschnaufpause haben meine Begleiterin und ich Bekanntschaft mit einer Familie und einen Päärchen gemacht, mit denen wir nächsten Sonntag Guadalupe besuchen. Den Nachbarberg mit einer riesigen Statue auf dem Gipfel (wie in Río). Zusammen mit Monserrate sind die beiden die Bergwächter der Stadt zwischen dem Eingang zu Bogotá und der Wildnis "Cruz Verde".

Mit der Gondel nach oben  Die weiße Kirche Bogotá aus 3.152 Meter Höhe ich ... ... und ich ... ...und ich .. ..und ich! Erinnerungsfoto abfotografiert Markt auf Monserrate   Die saftig grünen Anden nochmal die Anden

Ein bisschen kürzer Treten

Samstag, 17.09.2011

Tag der Liebe und Freundschaft

Heute ist der kolumbianische Valentinstag. Hört sich nicht  nur besser an und wurde auch nicht Erfunden von der Blumenindustrie, nein! Es ist der Tag, der nicht „nur“ für den Liebsten ist. Heute ist der Tag der Liebe und Freundschaft (día de amor y amistad). An dieser Stelle einen lieben Gruß an alle in der Heimat gebliebenen Freunde und Familie! Ig hab‘ eusch alle lieb, wa!

So richtig was mit Liebe mach ich heute nicht. Vielleicht sollte ich mal der Kolumbianerin vom Grillhähnchenladen eine Packung Kinderschokolade schenken. Für Oriet und mich ist es eine kleine Tradition geworden, ein- oder zweimal in der Woche dort Grillhähnchen (pollo brasa), gesalzene Grillkartoffeln (papas saladas) und eine Art Grillbanane (platanos) essen zu gehen. Und seit diesem Tag werde ich immer von einer Mitarbeiterin angelächelt, wenn die Blicke sich zufällig treffen. Mein Uni-Weg führt auch immer an diesem Laden vorbei. Schwierig.

Stattdessen werde ich heute jemanden zum Englischunterricht begleiten. Wird bestimmt witzig, weil das ein Englischkurs für Beginner ist. Strotzt trotzdem nicht so vor Liebe.

Soviel Plastik und Autos hier

Der Umweltgedanke (Erderwärmung) und das Wissen über die Ölknappheit haben in Kolumbien überhaupt noch keine Wurzeln geschlagen. Das ist ziemlich erschreckend. Die Quellen schreiben, Öl reicht noch bis zum Jahr 2035-2050. Das bedeutet, dass Kolumbien nur noch ca. 25 – 40 bleibt, um eine drastische Wende einzuleiten.  Als ich hier nach meiner Studienrichtung gefragt wurde, bedauerten die Studenten hier, dass es in Bogotá keine Studienrichtung „Erneuerbare Energien“ oder „Energie- und Umwelttechnik“ gibt. Ich denke, dass Land hat noch gar keine Vorstellung darüber, was ihnen in den kommenden Jahrzehnten blüht. Für jede dropsgroße Süßigkeit gibt es eine eigene Verpackung. Besteck ist in den Restaurants in Plastiktüten verpackt und Getränke bekommt der Gast im „weg schmeiß Plastikbechern“ oder eben Pfandflasche mit Plastikstrohhalm. Zum Einkaufen nimmt man hier keine große Einkaufstasche mit, sondern man lässt sich je 3-4 Artikel in eine Plastiktüte von der Kassiererin packen. Kolumbien versinkt im Plastik. Kolumbien erstickt in den Millionen Auto-, Bus und Motorradabgasen. Und aus vielen, vor allem den alten amerikanischen Trucks und Bussen, kommt dicker schwarzer Rauch. Überall sieht man deswegen hier Personen, die sich mit Tüchern oder Mundschutz auf den Straßen gegen die aggresiven Abgase wehren. All dies gewonnen aus Erdöl. Und, so wurde mir hier von den Studenten erzählt, die Erdöleigenen sorgen dafür, dass das Öl hier billig bleibt. Wenn etwas so günstig zu haben ist, dass jeder Kolumbianer bezahlen kann, warum sollte man sich dann je Gedanken über eine Veränderung machen? Aber selbst wenn es hier Windräder und Solarkraftwerke geben würde, die Versorgungsnetze machen das gar nicht her. Hier muss noch viel passieren!

Mein Spanisch wird besser

Das Sprachresultat nach einem Monat Aufenthalt in Kolumbien ist nicht schlecht. Vieles Verstehe ich, vieles kann ich erzählen. Ich bezeichne es zwar immer noch als „Krüppelspanisch“, aber mein Mitbewohner, Arbeitskollege und Freunde sagen mir immer wieder, dass mein Spanisch immer besser wird und ich schnell lerne. Das motiviert mich ungemein und hilft mir hinweg über die anstrengenden zwei Stunden Spanisch Unterricht jeden Tag am späten Nachmittag nach der Arbeit. Einen Zwischentest und einen mündlichen Test musste ich bisher absolvieren. Die Ergebnisse waren gut bis mittelmäßig. „5“ ist hier die beste Note und „1“ die Schlechteste …vielleicht sind es aber auch Punkte und „0 Punkte“ ist das Schlechteste. Das hab ich noch nicht heraus gefunden. Die „3“ mit Totenkopf an der Tafel sollte uns wohl sagen, dass alles unter „3“ für uns den Tod, oder „nicht bestanden“ bedeutet. Mündlich und schriftlich war beides zwischen 5 und 3 …also bestanden. Puh! Die Diskussionsrunden sind auch immer interessant! Lustig, wenn 7 Ausländer versuchen (Deutschland, Ukraine, Kalifornien, China und Türkei) mit ihrem Beginner-Spanisch Debatten über „Kann man über ein Land stolz sein?“, „können Männer besser Auto fahren?“  Politik und Religion zu führen oder  bzw. „was sind Punkte in Flensburg?“ zu erklären versuchen.

 

Heimweh

Am letzten Wochenende wurde ich zur Familie von Daniel geladen. Die Reise ging mit dem Bus auch durchs Elendsviertel der Stadt. Da gibt es statt Autos fast nur Holzwagen, gezogen von ausgezehrten  Pferden und selbst zusammen gezimmert. Bei Daniel selber war alles sehr angenehm. Es gab traditionell kolumbianisches Essen. Reis mit Bohnen, Kartoffeln, Hühnchen und Avocadosalat. Beim Essen musste ich viele Fragen über das deutsche Essen beantworten. Und ob ich Heimweh habe. Für Kolumbianer ist es ganz schwer ins Ausland zu gehen. Es scheitert meistens daran, dass die Bindung zur Familie zu groß ist und deshalb diese Trennung nicht wollen. Tja …hab ich eigentlich Heimweh?

Ein bisschen schon. Mir fehlen nach einem Monat schon Freunde und Familie. Aber zum Glück sind wir ja im Zeitalter des Facebook und Skype. Und die Tatsache, dass 10 Minuten entfernt ein Schweizer Restaurant mit deutschem Essen ist, ist auch von besonderem Interesse. Dort hab ich mein Heimweh in guter Deutscher Küche ertränkt. Da Heimweh ein Zäher ist, wird ab sofort jeden Monat in diesem Restaurant eine fortlaufende Offensive gegen das Böse ausgetragen. Immer zum 18. eines Monats.

 

Arbeit…Arbeit!

Nach einer Zwischenbesichtigung der Anlage ist klar geworden, dass in der Vorplanung meiner Vorgänger ein paar Sachen schief gelaufen waren. Die Sensoren Gewinde sind zu groß und lassen sich nicht einschrauben. Wenn sie sich einschrauben ließen, wären die Sensorfühler zu lang. Wenn beides nicht der Fall wäre, müsste man die Fühler mit dem Rechner über ein ingenieurstechnisches, recht populäres Programm abbilden und überwachen. Doch hat niemand Ahnung von diesem Programm und vorhanden ist es auch nicht. Das sind also meine nächsten Aufgaben. „Lab View“ (Programm) aus dem Internet saugen, verstehen und in Gang bringen und die Planungsfehler beseitigen. Leider hat das in Gang bringen noch nicht ganz so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Und bevor ich die Wut am technischen Gerät auslasse, gehe ich doch lieber zu den Chemikern und kümmer mich um das nächste Problem: Glasperlen und Photometrie. Das Blöde ist nur, die Chemiker können noch weniger Englisch als die Ingenieure. Und für wissenschaftliche Gespräche ist mein Spanisch bei weitem noch nicht reif genug. Schade, dass Estephan nie kommt, wenn er es sagt. Sonst wären die Gespräche für mich einfacher verlaufen. Ergebnis ist nun, dass ich das Photometrielabor nutzen kann und meine Glasperlen vielleicht am Montag bekomme. Die Chemiker haben eine eigene Glasbläserei. Toll, dann kann ich mich ja weiter um LabView kümmern *grrr*.

Vergnügen geht hier auch

Sonntag, 04.09.2011

Teeplantage

Unerwartet habe ich nach dem nach Hause weg eine Nachricht von Sonia in meinem Mailordner gefunden:

 

"Hallo Benjamin,

 Morgen fahren wir zu einer Firma ausserhalb Bogotá.  Wenn du möchtest kanns du gerne mitkommen.  Wir treffen uns um 1:15 im Labor.

Wir sind vor 4:00 wieder in der Uni.

Bitte schreib mir ob du kommst."

 

Ja klar, warum nicht? Und zum Spanisch Unterricht wäre ich auch pünktlich zurück! Also ging es am nächsten Tag mit Sonia, einer anderen Professorin und einem Kollegen aus dem Labor zu einer Teeplantage. Diese Teeplantage lag ungefähr eine 3/4 Stunde westlich von Bogotá auf dem Land und baute Pfefferminze und Kamille an. Gemischt ergibt das eine nette Teemischung.

Ein Kamerateam (ich glaube einer geldgebenden Organisation) und wir waren da, um den Trocknungsprozess zu erkunden und untersuchen. Außerdem realisiert der mitgefahrene Companion in Zukunft dort einen zusätzlichen Trocknungsprozess über Solarenergie. Kameramitschnitt war erlaubt, Fotos nicht.

Im eigentlichen Trocknungsprozess werden lediglich Kaffebohnenreste verbrannt.  Über eine Förderschnecke transportiert, fallen diese in eine Brennkammer, verbrennen und erwärmen die zur Trocknung benötigte Luft. Die günstigsten Parameter sollen nun hier untersucht und gefunden werden. Ein seltsames Phänomen war, dass von 3 baugleichen Öfen nur einer richtig gut funktioniert, also weiße Asche und Rauch produziert. Dieses Rätsel gilt es auch zu lösen.

Alles in allem war es auf der Plantage wirklich interessant. Sonia wurde auch nochmal interviewt. Leider wurde alles auch etwas später und ich war pünktlich zum Ende des Spanischunterricht wieder auf dem Campus.

Praktischer Spanischunterricht eben gewesen.

 

"Nachmittag ist es fertig"

Läuft eben hier nicht alles nach Plan. Mein Sachbearbeiter, bei dem Sonia oder Daniel 2x täglich anrufen, hat extra für mich zwei sich im Rhythmus wiederholende Sätze einstudiert. "Nein, ist noch nicht fertig. Aber ich bin gerade dabei und er kann sich das Dokument am Nachmittag abholen" und "Nein ist leider nicht fertig, aber morgen früh kann er sich das abholen". Das geht jetzt schon seit Freitag, dem 26.08.2011. Und so läuft das amüsante Spiel schon seit 1 1/2 Wochen.

 

Kino, Westliche Musik und Koks

Dann wird die Zeit eben genutzt um die interkulturellen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Welt zu pflegen.

Kino ist ganz nett. So wurde ich eben mal zu "Aliens vs. Cowboys" eingeladen. Hätte ich auf Spanisch verstanden, was wir uns anschauen wollen, hätte ich bei dem Titel wohl protestiert. Aber der Film war echt gut und empfehlenswert! Die meisten Filme sind anscheinend in Originalsprache mit spanischem Untertitel. Perfekt für einen (in Moment) Spanisch-Gringo, wie mich. Die lästigen Armlehnen lassen sich übrigens hier einfach umklappen, um für mehr Freiheit an seinen seitlichen Gliedmaßen zu sorgen.

Es ist aber auch möglich, sich den Magen mit Aguardiente kaputt zu trinken. Vor 5 Tagen ist das jedenfalls passiert. War sehr schmerzhaft die nächsten 2 Tage. Ein bisschen vorsichtiger war ich am Freitag. Da hieß es nämlich: Ab in einen teuren Club (10.000 Peso = 4 EUR) zusammen mit  den zuvor abgeholten Israelis, Engländer, Schotten, Irländer, Österreicher, Kalifornier, Australier  aus einem Hostel in Downtown. Fast alle Rucksacktouristen, die für ein halbes bis 4 Jahre aus seelischen Gründen Südamerika entdecken wollen. Wie schön, dass ein Österreicher dabei war. Ein paar Stunden zuvor hatte er das Fußballqualifikationsspiel "Deutschland: Österreich" gesehen. Ich nicht, aber gewonnen haben wir 6:2, habe ich von ihm erfahren Lachend.

Im Club selber war es klasse. Mal keine kolumbianische Musik, mal kein Salsa tanzen. Einfach mal zappeln, wie in Europa. Auf dem Klo haben sich die Ausländer von ihrer besten Seite gezeigt. An den Pisuas, mit Kopfstütze aus nackten Plastikfrauen, standen immer mal wieder einige, um sich den weißen, kolumbianischen Schnee in den Kopf zu ziehen. Nichts Ungewöhnliches hier. Aber unglaublich gefährlich als Gringo sich damit erwischen zu lassen.

Das macht den Magen kaputt

Zum Ende

Zwei Wochen hatte ich jetzt Zeit mich ein bisschen einzugewöhnen und in die Forschungsmaterie einzulesen. Die nächsten Wochen werde ich die Anlage testen und in Betrieb nehmen. Ich muss mich wieder bei den Chemikern im Labor in chemischer Analyse und Photometrie üben. Zum Glück kenn ich mich damit schon aus und hab das in Brandenburg ganz gut mit dem Robbi gemacht. Und Stefan, der kolumbianische Maschinenbaustudent und mein persönlicher Sklave ( Zunge raus nein Quatsch) ist an meiner Seite, wenn mein Spanisch am Ende ist und wieder niemand Englisch versteht.

Außerdem muss ich meine gelernten Spanisch Kenntnisse am Montag und Dienstag in einem mündlichen und schriftlichen Test unter Beweis stellen. Ich hoffe, das läuft.

Mensch …schon einen halben Monat hier! Da kann ich ja mal 4 Verständigungsfehler von Simon und mir freigeben:

Augen (ojos) mit Ohren (orejas) verwechselt und auf dem höchsten Berg in Bogotá: "Habt ihr auch so einen Druck auf den Augen?"

Nichten (sobrinas) mit Hüte (sombrero) verwechselt: "Ahh, und wie heißen deine Hüte?"

Statt Feuer(fuego), Stark (fuerte) verstanden:"Lass mal 'nen kräftiges Hühnchen essen gehen!"

Statt "glatt (liso)" , "Geld (peso)" verstanden: "Ich mag deine Haare und dein Geld"

Auf das mein Spanisch besser werde!

Bogotá von seiner traurigen Seite

Dienstag, 30.08.2011

Heute schreibe ich nicht in chronologischer Reihenfolge meine erlebten Tage auf, denn mir liegt etwas anderes am Herzen. Besonders seit gestern Abend möchte ich auch etwas von den unschönen Erlebnissen in Bogotá berichten, denn die gibt es hier nämlich auch.

Jeden Morgen und jeden Abend wird man mit der extremen Armut bekannt gemacht.

Damit meine ich die Menschen, die auf den Grünflächen der Straßen schlafen müssen. Damit meine ich die Menschen, die jede Nacht ihr Hab und Gut mit einem selbstgebauten Holzkarren alleine die Straßen hochziehen (auf den ungemein gefährlichen Straßen hier). Damit meine ich die Menschen, die vor fast jedem Club stehen, um die Partygänger um etwas Essen anzuflehen und meist nichts bekommen. Damit meine ich die Menschen, die sich bei den abendlichen 7-9°C Außentemperatur das ganze Jahr über in Springbrunnen waschen müssen, weil es dann keinen Touristen mehr stört. Sind ja eh alle am Abend zu Hause.

Ich meine damit aber auch die armen Seelen, denen man hier jeden Tag das Leben nimmt.

In diesem Trip gab es viele erste Male bisher für mich. Erste mal allein weg. Erste Mal Flugzeug geflogen. Erste Mal den Atlantik überquert. Erste Mal in einem Schwellenland. Erste Mal auf sich ganz allein gestellt. Gestern Abend bin ich zu einem Geburtstag eingeladen worden. Einige Studenten, die ich in Charlys Bar kennen gelernt habe. Wir sind mit dem Taxi nach Downtown gefahren, dort warteten noch 2 Andere auf uns. Auf dem Weg dorthin sind wir an einem erschossenen Mann vorbei gefahren. Auch mein erstes mal. Er lag am Boden, hatte ein Loch im Kopf und eine kleinere Blutpfütze lag an der Kopfstelle. Alle fanden es im Auto nicht besonders schlimm zu finden. Ich hab das Geburtstagskind gefragt, wie viele ermordete Menschen sie schon hier in Bogotá gesehen hat. Die Antwort war:" Ich kann mich nicht genau erinnern, aber 13 waren es bestimmt". Auf der Feier habe ich noch einen Mexikaner kennen gelernt. Er hatte in den letzten Jahren unter den Drogenkrieg in Mexico ziemlich zu leiden. Er wohnt(e) in einer sehr kleinen Stadt und an jedem Morgen lagen enthauptete Menschen auf der Straße oder hingen Menschen an Ampeln.

Carina, die andere deutsche Studentin, hat ebenfalls morgens, als sie zur Uni gegangen ist, einen mit einer Plastiktüte erdrosselten Menschen liegen sehen.

 Ich verschone euch bewusst vor Fotos, wäre auch in allen Fällen, ob es nun ein schlafender Mann auf der Straße oder der erschossene Mann wären, nicht richtig und jeder Würde.

Zum Schluss will ich noch sagen, dass es trotz dieser traurigen Sachen sehr sicher in Bogotá sein kann, wenn man sich an die Regeln hält. Dazu gehört das Fortbewegen in einer Gruppe am Abend, das Taxi übers Telefon bestellen und das „nicht zur Schau stellen“ seiner Reichtümer. Das sagen mir die Professoren, die Deutschen und alle kennen gelernte Kolumbianer immer wieder. Und die Erlebnisse und die der Anderen ermahnen mich, sich wirklich daran zu halten.

Auf dieses Weg:

Viele liebe Grüße an euch alle, die den Blog in Deutschland verfolgen. Ich pass auf mich auf und versorge euch demnächst wieder mit mehr erheiternden Informationen.

Macht`s gut!

 

Tag 5, 6 und 7. Erste Woche heil überstanden!

Freitag, 26.08.2011

5. Tag

Ich habe meinen ersten Kolibri auf dem Campusgelände gesehen. Aber mein Gehirn war zu langsam um zu verstehen, was es da sieht. Und so kamen die Befehle zu meinen Gliedmaßen zu spät, um meine Kamera in Gefechtsstellung zu bringen und es euch zu beweisen.

 

Sonia hat für mich einen Arbeitsplatz in meinem Labor besorgt, der ist aber erst ab morgen bezugsfertig, da einiges umgeräumt werden muss. Eigentlich hatte ich heute eine Menge Freizeit. Freie Zeit, um einmal ein paar Bilder von der Uni zu machen.

Ihr solltet wissen, die Studenten hier sind sehr rebellisch. Viel viel rebellischer, als bei uns in Berlin zum Beispiel. Jeden Donnerstag scheinen hier größere Demonstrationen gegen Staat und Militär zu sein. Und wenn die Demos zu groß werden, müssen alle in der Uni nach Hause gehen. Wahrscheinlich, weil es dann zu Polizeigroßeinsätzen kommt. Im Netz finden sich einige Videos dazu. Juan David hat das mal angedeutet. Er hat mir damals einen Ausgang gezeigt, der bei einem solchen Fall am sichersten ist. Die anderen Ausgänge sollte ich eher meiden. Die Wasserwerfer sieht man zumindest überall in der Stadt herumstehen.

Jedenfalls entstehen tolle Bilder, wenn auch illegal, wenn die vermummten Studenten mit ihren Schablonen, Spraydosen und Farbe die Wände bemalen. Auch wenn das längst nicht alle sind, ein paar davon habe ich mal fotografiert.

Er hat ein Buch! Er hat ein Buch!Zündschnur brennende CopsDie RevolteDie RotenPlaza de CheVorm IngenieursgebäudeFinten

 

6. Tag

Ich brauche Geld, und zwar viel Geld. Und lassen sollte ich das Geld in der Bank, überwiesen an das Sprachinstitut für den Spanischkurs. Mein Mitbewohner musste dafür herhalten und mich zur Bank begleiten. Meine letzten Euros, die ich hier nicht gebrauchen kann, wollte ich auch wechseln.

In Berlin wäre ich gelaufen, denke ich. Oriet wollte lieber Bus fahren.

In Bogotá funktioniert eine Busfahrt so, dass du dich an die Straße stellst und darauf wartest, dass der richtige Bus vorbei kommt. Den richtigen Bus erkennt der erfahrene Bogotáer an der Busfarbe und der mit Schildern vollgepappten Windschutzscheibe. Ist der Bus meist in letzter Sekunde erkannt (aufgrund der vielen Schilder), hält der Bogotáer Arm und Zeigefinger raus. Ist der Bus nicht schon voll, legt der Busfahrer eine Vollbremsung hin. Die Tür geht auf. Ist der erste Fuß auf der Eingangsschwelle, fährt der Bus weiter. Darauf sollte man durch schnelles festhalten ein irgendeiner Stange vorbereitet sein. Steht der Bogotáer nun wieder sicher, bezahlt er den bereits fahrenden Fahrer, der neben sich eine ausgebreitete Decke mit hunderten Münzen zu liegen hat. Will man wieder aussteigen, geht man nach hinten, drückt einen Knopf. Nach der nächsten Vollbremsung, darfst du zügig austeigen.

Nach dem Bankbesuch und der Rückfahrt wollten Oriet und ich zum Mittag in Marthas Restaurant gehen. Wir hatten allerdings noch etwa Zeit und so gingen wir erst einmal nach oben. Tür aufgemacht und in mein Zimmer gegangen, stand vor mir eine fremde Frau, schwer bewaffnet mit Lappen und Putzeimer. Nachdem der Schock überwunden war, erinnerte ich mich. Das war dann wohl die Dame, vor der mich Sabbel in Brandenburg gewarnt hatte. Diese Dame kommt jeden Mittwoch und putzt unsere gesamte Wohnung. …Mhhh, ungewohnt (meine Familie würde jetzt schmunzeln).

Abends hätten Simon, Carina und ich noch mit Marthas Neffen aus den Staaten und einer Freundin von ihm in die Altstadt fahren können. Doch irgendwie haben mir alle abgesagt. Und zum Überdruss bekam ich noch eine Mail von Sonia, dass ich morgen früh vorbei kommen sollte zwecks meines Studentenausweises und dem Rest.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Gringos aus den Staaten zwei Stockwerke höher mit deutscher Kinderschokolade zu besänftigen und zu erklären, dass ich heute Abend doch nicht mitkommen konnte.

Bus und ...Taxi im Park Way (Carrera Av. 24)Was suchen die Pferde auf dem Campus?Mein Zimmer - Mi habitacion

 

7. Tag

Also musste ich mich nun nächsten Morgen wieder bei Sonia melden. Im Prinzip erzählte sie mir, dass wir beide alles richtig gemacht und richtig abgegeben haben. Aber, wie es nun mal in vielen Ämtern so ist, wurden meine Sachen einfach nur abgeheftet. Aus den Augen, aus den Sinn. Somit gab es keine Vorarbeit, keinen Studentenausweis und keinen WLAN Authentifizierungscode für mich. Stattdessen zukünftige ewige Rennereien für Sonia und mich, z.B. in den Norden von Bogotá in eine Art Auslandsbehörde. Insgesamt wird die Prozedur wohl 3 Wochen dauern. Kann ja nicht alles glatt laufen.

Aber nun mal etwas erfreuliches:

Ich hab einen neuen Mitarbeiter unterstellt bekommen. Estephan ist sein Name. Estephan ist mir sehr sympathisch. Er hört jegliche Art von Heavy Metal und geht mit mir im September für knapp 20 Euronen zu Iron Maiden.

 Wie irgendwie alle hier, ist er im Master Maschinenbau. Er soll mich bei meiner Arbeit unterstützen. Wobei im Moment, weiß ich allerdings noch nicht. Lesen kann ich schon alleine … . Und in der ersten Woche gibt es nichts anderes zu tun. Deshalb darf er, als ersten Auftrag von mir, selber lesen.

Ach ja! Übrigens: Auf dem Weg zum Mittag hab ich meinen zweiten Kolibri, naschend an den Blumen in der Uni, gesehen. Aber ehe ich ihn fotografieren konnte, war er bereits verschwunden.

Beim Mittag mit Estephan bekam ich eine kolumbianische Cola. Wenn die Kolumbianer wohl morgens einen Kater haben, trinken sie die Cola gemischt mit Bier. Soll wohl helfen. Und besser für den Bauch sein, als Coca Cola.

Abends gab es Spaghetti Bolognese, höchstpersönlich von mir. Ich schätze, dass hat meinem Mitbewohner geschmeckt. Nach zwei Tellern hat er aufgegeben und ist ins Bett gefallen. Zuvor waren wir einkaufen und ich hab ihm erfolglos versucht zu erklären, dass ich Basilikum, Pfeffer und Tomatenmark brauche. Wie beschreibt man Basilikum? Grüne Blätter, die man zu Tomaten isst? Hat er nicht verstanden. Pfeffer hat er irgendwann verstanden und bei Tomatenmark kam er entweder mit Ketchup oder mit fertiger Tomatensauce zurück.

Übrigens: Soße bedeutet im Spanischen Salsa! Salsa de Tomate … . Irgendwie komisch, oder? Oder was stellt du dir in Deutschland unter Salsa vor?

Park Way - Die Straße, in der ich lebeEiner von 3 Eingängen zur Universidad nacionalMein laborkittelUniversidad Nacional Wappen auf dem KittelStück Campus 1Stück Campus 2

Tag 2, 3 und 4

Dienstag, 23.08.2011

Tag 2:

Heute hab ich angefangen zu arbeiten und die Anlage inspiziert. Die Anlage besteht aus mehr oder weniger 2 Teilen. Der erste Teil beschäftigt sich damit, das unreine Wasser in reines Wasser zu verwandeln. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Gewinnung der Aktivkohle, die zur Reinigung benötigt wird. Ich bin warscheinlich vorerst für den ersten Teil zuständig

Teil 1 AktivkohleherstellungTeil 2 Aktivkohleherstellung

 Meine erste Aufgabe war, mit Natalia die Pumpenkennlinie der kleinen Pumpe in der Mitte aufzunehmen. War nicht ganz einfach, aber die 2 Ingenieursgehirne haben die Aufgabe gut gelöst. Natalia ist übrigens eine ehemalige Studentin, die mit Juan David das Projekt im letzten Semester angefangen hat, jetzt bei Mazda arbeitet und jeden Samstag mal vorbei schaut, um zu helfen.

Tag 3:

Septima

Am nächsten Tag hab ich einfach mal versucht, die Bekannte von Carlos (war mal über Weihnachten in Brandenburg), die selbst in Bogotá lebt, anzuschreiben. Ich wollte an meinem freien Tag mal etwas anderes sehen, als den Weg zur Uni. Seltsamer weise hab ich aber keine Nachricht von ihr, sondern von Carina, der anderen deutschen Studentin, bekommen. Sie betreut ebenfalls ein Forschungsprojekt, aber an einer anderen Uni im Osten.

Sie verabredete sich mit mir an der "Septima" (der Carrera 7 = 7. Straße) am Eingang ihrer Uni. Das war auch anfangs eine Mission Impossible für mich. Ich musste mich also eine halbe Stunde in eine Richtung kämpfen zu einem Ort, den ich nicht kannte, fast ohne Spanischkenntnisse. AAAAAAAber ...hier hat sich das kolumbianische Straßensystem nach verkorksten Schachbrettmustermethode echt toll bewährt. Bin zwar trotzdem 10 Minuten zu spät gewesen, das lag aber daran, dass ich eine mega breite Straße, ohne bei dem Versuch überfahren zu werden, nicht überqueren konnte und einmal im Kreis um die Uni von Carina gelaufen bin.

Letzendlich hab ich dann doch Carina gefunden und bin mit ihr die Septima entlang gelaufen. Auf der Straße gab es einfach alles. Überall wurden frisch gepresste Säfte, Früchte, Essen und all möglicher Krimskrams verkauft. Dann waren die Häuser teilweise so hoch, dass ich mir wie in einer bekannten Stadt in den USA vorkam. Wir sind an einer Stierkampfarena, Sternwarte, Museen und etlichen anderen bekannten Sachen vorbei, haben von einem Clown mit Quitschstimme eine Ballonblume mit Herz bekommen (dachte wohl, es wäre meine Freundin) und wir waren auf der Plaza Bolivar. Einem Platz, voll mit Geschichte, Menschen und Tauben.

Weil weder Carina noch ich Mampf im Kühlschrank hatten, sind wir in eine Pizzeria in der Nähe ihrer Bleibe gezogen (obwohl es dunkel wurde .... zu der Zeit ist man nicht mehr draußen in Bogotá!!!!) und haben uns vollgestopft mit Lasagne und Pizza. Ich sag euch ...in Deutschland mag ich ein Fresssack sein, aber wenn man die Nachrichten schaut in Bogotá und fiese Geschichten von Carina ...da ist es vorbei mit dem Appetit. In den Nachrichten kommen nur Überfallvideos (+ Fußballergebnisse) und Carina erzählte mir von einem unschönen Erlebnis in ihrer ersten Woche in Bogotá und anderen Erlebnissen von Manuel, ebenfalls einen Studenten aus Deutschland. Jedenfalls war nach einem drittel Lasagne für mich Schluss. Mir ging im Magen gar nicht mehr gut. Abends ging es mit dem Taxi für mich nach Hause, ganz sicher mit dem Handy gerufen, Nummernschild gecheckt (bekommt man per SMS zugesendet) und Code (letzten beiden Nummern der Handynummer) abgefragt.

Auf dem Weg zur SeptimaLecker Fruchtsaft vom Straßenstand für 40 Cent

Tag 4:

150 anos Faculdad de Ingeneria

Heute feierte die Universidad Nacional das 150-jährige bestehen der Ingenieursfakultät. Im Prinzip hab ich mir heute nur meine Aufgabe abgeholt. Die bestand darin, dass ich jetzt für 2 Wochen Arbeiten auf Englisch, Deutsch und Spanisch über Adsorbtion lesen sollte.

Ansonsten hab ich mir die riesen Party in der Faculdad Ingeneria angeschaut und bin mit Angelica, eine Freundin meines Kollegen Juan David, eine kolumbiansche SIM Karte kaufen gegangen. Bitter nötig! Ich hab schon mehr als 10 Nummern bekommen, ohne dass ich die Menschen überhaupt anrufen konnte Zwinkernd.

Durch Zufall hab ich noch Simon, auch ein deutscher Student mit Projekt hier in der Universidad Nacional, kennen gelernt. Er konnte auch kein Wort Spanisch und nahm mich mit zum täglichen zweistündigen Spanischunterricht.

Auf den ganzen Ärger erstmal in den Supermarkt und 'nen 12er Budweiser gekauft. Und die genieße ich jetzt schön mit meinem kolumbianschen Mitbewohner!

Na dann auf zu den nächsten interessanten Tagen!!!

150 Jahre Faculdad de Ingeneria

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